3 February, 2009

Geesthacht: Ja zu Vattenfalls Fischtreppe

Die Stadtwerke Geesthacht erhalten keine Genehmigung für eine Fischtreppe und ein Laufwasserkraftwerk an der Elbe. Den Zuschlag dürfte jedoch Vattenfall bekommen.
Noch hat der Stromriese Vattenfall keinen positiven Bescheid zum Bau einer zweiten Fischtreppe am Geesthachter Stauwehr von der Unteren Wasserbehörde aus Ratzeburg erhalten, aber die Würfel sind so gut wie gefallen. Vor gut einem Monat hieß es noch im Kreishaus „Wir können zu einer möglichen Entscheidung noch nichts sagen“. Jetzt hat Fachbereichsleiter Dr. Carl- Heinz Schulz Klartext zum Vattenfall-Vorhaben geredet: „Ich gehe von der Genehmigungsfähigkeit der Fischtreppe aus, Zeitpunkt und Auflagen sind aber noch unklar“. Zugleich machte Schulz deutlich, dass die Stadtwerke Geesthacht für ihr Doppelprojekt Fischtreppe und Laufwasserkraftwerk kein grünes Licht bekommen können.

Grund ist ein wasserrechtlicher Vertrag von 1956, der nach Bewertung der Wasserbehörde die Weichen zugunsten von Vattenfall stellt: „Wir sehen keine Möglichkeit, dass die Stadtwerke Geesthacht an die erforderlichen Rechte herankommen“, berichtete Schulz bei der jüngsten Sitzung des Kreistagsausschusses für Regionalentwicklung. Deshalb soll es keinen Bescheid zum Antrag der Geesthachter auf den Bau einer Fischtreppe und eines Wasserkraftwerkes geben. „Damit liegt uns nur noch der Vattenfall-Antrag zum Bau einer Fischtreppe vor“, sagte der Fachbereichsleiter.

Für den Energiekonzern ist das Projekt in der Elbestadt von höchstem Interesse. Das in Hamburg geplante und weiterhin umstrittene Kohlekraftwerk Moorburg kann nämlich nur dann in Betrieb gehen, wenn die Fischtreppe in Geesthacht als Ausgleichsmaßnahme für das Kraftwerk gebaut wird. Und das Vorhaben ist für Vattenfall von großer Dringlichkeit: Die Funktionsfähigkeit der Kletterhilfe für Lachse, Aale und deren Artgenossen muss über einen Zeitraum von zwei Jahren nachgewiesen sein. Erst in der vergangenen Woche waren Mitarbeiter von Vattenfall im Kreishaus, um weitere Gespräche über das Projekt zu führen. Der internationale Stromriese sagt, dass die Fischtreppe zum „Schutz der Elbe und zur Verbesserung der Wasserqualität“ gebaut wird.

Fachbereichsleiter Carl- Heinz Schulz schätzt, dass sich die Dimension der von Vattenfall geplanten Fischtreppe „auf Europarekord-, wenn nicht Weltrekordniveau“ bewegt. Die Anlage wird eine Länge von mehr 400 und eine Breite von zwölf Metern haben. „Nach neuesten Erkenntnissen“ soll diese Größe erforderlich sein, damit auch der Stör das Geesthachter Wehr flussaufwärts passieren kann. „Wir wollen diese Größenordnung akzeptieren“, berichtete Schulz den Regionalpolitikern. Vorhanden ist ein Fischaufstieg bereits an der Schleuse in Geesthacht. Diese im April 1998 fertiggestellte Anlage mit einer Länge von etwas mehr als 200 Metern wird allerdings als nicht ausreichend angesehen.

Die Sitzung im Kreishaus besuchten auch Mitglieder einer Agenda-Initiative aus Geesthacht. Sie meldeten sich in der Einwohnerfragestunde zu Wort und zeigten sich enttäuscht über die sich abzeichnende Genehmigung für Vattenfall. Ihre Sorge ist, dass das von ihnen befürwortete Wasserkraftwerk „nicht mehr möglich sein wird“. Umstritten ist ein solches Projekt allemal, sogar innerhalb von Umweltgruppen und Parteien.

Quelle: www.ln-online.de, 03.02.2009